Wer kennt sie nicht? Diese lästigen Emails mit teilweise kryptischen Betreffzeilen, die einem teure Uhren zum Schnäppchenpreis, wundersame Vergrößerung der männlichen Genitalien oder auch nicht nachlassende sexuelle Ausdauer versprechen. Schätzungsweise Milliarden werden weltweit von ihnen täglich versandt und nerven ihre Empfänger im besten Falle mit der Notwendigkeit, sie aus dem Posteingang zu löschen. Im besten Falle deshalb, da sich nicht wenige von den Angeboten verleiten lassen und tatsächlich bestellen oder noch schlimmer mit einem Klick auf die falsche Stelle schädliche Software auf ihrem Rechner installieren.
Woher kommt dieser Müll?
In einer Studie des IT-Sicherheitsunternehmens Sophos wurde erst kürzlich die USA mit 19,6 % Anteil als die größte Spamquelle entlarvt. Auf Platz zwei folgt China (8,4%) vor Südkorea (6,5%). Aber auch aus Europa (Polen: Platz 4/ 4,8 %, Deutschland: Platz 5/ 4,2 %) überflutet immer mehr Müll die weltweiten Datenleitungen. 2006 hat die englische Antispam-Organisation Spamhaus bekannt gegeben, dass 80 % des Spamaufkommens auf das Konto von überschaubaren 200 Internetgangs gehen. Über so genannte Botnets, darunter versteht man Netzwerke ferngesteuerter Zombie-PCs ahnungsloser Anwender, deren Computer von Hackern durch Schadsoftware gekidnappt wurden, beglücken sie die Welt mit ihren Botschaften.
Der finanzielle Aspekt
Nach jüngsten Schätzungen beläuft sich der volkswirtschaftliche Schaden, der durch die unerwünschten Emails verursacht wird, auf Milliardenhöhe. Dabei wirkt sich nicht nur der Datenverkehr, der mittlerweile schon fast die Hälfte des gesamten Internettraffics ausmacht, negativ aus, sondern auch die ausfallenden Arbeitszeiten der Empfänger, die ihren Posteingang täglich reinigen müssen. Bei dem verursachten Schaden muten die Zahlen, die die Versender verdienen, geradezu lächerlich an. Zum Milliardär hat dieses dubiose Geschäft selbst die Topverdiener noch nicht gemacht. Mehrere hunderttausend Dollar monatlich sind aber für die Großen der Szene durchaus zu verdienen, vermuten die Experten, und davon lässt es sich sicherlich ganz gut leben.
Mit den eigenen Waffen geschlagen
Dass sich die Internetgemeinde auch wehren kann, hat der amerikanische Spam-Millionär Alan Ralsky, der keine Gelegenheit auslässt öffentlich mit seinem einträglichen Geschäft zu prahlen, am eigenen Leibe erfahren. Nach einem Artikel über seine neue Villa haben User seine Postanschrift im Netz bekannt gegeben. Seitdem besucht ihn sein Briefträger täglich mit der Schubkarre und er kann sich kaum mehr vor der Flut von Katalogen, Prospekten und Zeitschriften retten. Geradezu grotesk mutet da seine Beschwerde an: "Diese Leute haben mich bei jeder Werbekampagne angemeldet, die es gibt", sagt Ralsky. "Das ist Belästigung!" Richtig Herr Ralsky, das ist Belästigung, aber damit verdienen Sie seit Jahren Ihr Geld!
Die härtesten Gerichtsurteile
Aber auch juristisch werden Spamversender immer öfter belangt. Neue Gesetze vor allen Dingen in den USA, die ja bekannt sind für hohe Schadensersatzklagen, machen es möglich. Sage und schreibe 16 Millionen Dollar musste ein New Yorker Werbemailversender an den amerikanischen Provider Earth Link bezahlen, da er ihre Server nutzte, um seine zweifelhaften Botschaften unters Volk zu bringen. Der mit Werbung u.a. für Pornographie reich gewordene Spammer Davis Hawke wurde von einem Gericht in Virginia zur Zahlung von 12,8 Millionen Dollar an AOL verurteilt. Da vermutet wurde, dass er seine Reichtümer in Form von Goldbarren auf dem Grundstück seiner Eltern vergraben hat, wurde gerichtlich angeordnet, Haus und Hof mit Baggern umzupflügen. AOL war es auch, die unter seinen Kunden bei einer Aktion einen Hummer-Geländewagen als Hauptpreis verlosten, der zuvor im Rahmen einer Schadensersatzklage gegen den Spammer Brad Bournival beschlagnahmt worden war.
Sogar an den Kragen ging es 2005 einem 35-jährigen russischen Spammer, der, wenn man den Spekulationen Glauben schenkt, von einer "Anti-Spam-Gang" zu Tode geprügelt wurde. Zuvor hatte er sich mit unzähligen Werbemails für seine Sprachschulen vor allem den Zorn seiner Mitbürger zugezogen. Eine ganz neue Spam-Unart hat mittlerweile Europa erreicht, nachdem sie in den USA schon seit längerer Zeit in ähnlicher Form kursiert ist. In einer Mail fordert der Absender unter Androhung der Ermordung eines nahen Verwandten die Bezahlung von 659 Schweizer Franken innerhalb von drei Tagen. Aber auch hier ist die wirksamste Waffe, die Nachricht zu ignorieren und ungelesen zu löschen. Würden alle Internetuser mit den Werbebotschaften so verfahren, wäre es schnell geschehen um diese dubiose Branche.
Quelle: Markenpost.de