Probleme mit Windows Vista oder Office 2007? Das kann teuer werden: Wer die Hotline des Herstellers Microsoft anruft, zahlt für eine einzelne Anfrage 85,68 Euro. Der Software-Konzern findet den Preis in Ordnung. Die Mitarbeiter im Call-Center seien eben hoch qualifiziert. Systemabstürze, Sicherheitslücken, fehlende Treiber – der Verkaufsstart von Windows Vista Ende Januar verlief holprig. Eine Situation, in der sich Kunden die Unterstützung vom Hersteller wünschten. Doch viele verkniffen sich einen Anruf bei Microsoft. Grund: die hohen Gebühren der Telefon-Hotline...Eine einzelne telefonische Anfrage zum Thema Windows Vista oder dem Büropaket Office 2007 kostet 85,68 Euro. Die Kunden dürfen allerdings mehrmals anrufen, wenn der Mitarbeiter das Problem nicht beim ersten Mal lösen kann – das kostet dann nichts extra. „Der Verdacht liegt nahe, dass Microsoft gar nicht will, dass die Kunden anrufen“, sagt Carola Elbrecht, Telekommunikationsexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Denn das verursache schließlich Kosten. Microsoft-Sprecher Frank Mihm-Gebauer hält dagegen: „Natürlich gibt es den Wunsch, immer alles kostenlos zu bekommen. Aber wir haben im Kundenservice hoch qualifizierte Mitarbeiter. Und dem entspricht unser Preismodell.“ Er verweist auf die eingebaute Hilfe-Funktion in den Programmen, auf die automatischen Updates über das Internet und die Kundenservice-Homepage. Dort sollen fast alle Fragen beantwortet werden. „Es hat sich noch niemand wegen hoher Support-Kosten beschwert“, sagt Mihm-Gebauer. Immerhin: Wer Windows Vista oder Office 2007 einzeln kauft und nicht im Paket mit einem neuen Computer, erhält 90 Tage kostenlose Telefon-Hilfe. Doch gerade das Betriebssystem Windows erwerben die meisten Kunden wohl nur in Verbindung mit einem neuen PC oder Laptop. Diese Windows-Fassungen heißen „Original Equipment Manufacturer“ („OEM“) oder Systembilder-Versionen. Für sie gilt die 90-Tage-Regel nicht. „Diese Versionen kosten schließlich deutlich weniger“, sagt Mihm-Gebauer. Deswegen schickt Microsoft solche Kunden zu den Hardware-Hersteller wie Medion, Acer, HP und Co.
Andere Technik-Unternehmen sind deutlich günstiger
Microsoft steht mit seinem Gebührenmodell ziemlich einsam da. Fast alle anderen Unternehmen aus den Bereichen Software, Hardware und Telekommunikation rechnen bei ihren Hotlines nach Minuten ab. Teilweise sind diese sogar kostenlos wie bei Vodafone oder der Deutschen Telekom. Das Unternehmen Adobe bietet ähnlich wie Microsoft sehr komplexe Software an („Photoshop“, „Dreamweaver“) – dort muss der Kunde nur die Gebühren ins niederländische Festnetz tragen (ab ein Cent die Minute). Besonders teure Anbieter verlangen 1,86 Euro (Web.de) oder 1,99 Euro (Nintendo, Star Money) pro Minute. Aber selbst nach 42 Minuten Beratung sind diese noch günstiger als Microsoft. Der Anti-Viren-Spezialist Symantec rechnet hingegen wie Microsoft pro Anruf ab. Allerdings verlangt Symantec beträchtlich weniger als der Windows-Konzern: 9,95 Euro. Auch Apple hat ein vergleichbares Modell. iPod-Kunden dürfen innerhalb von 90 Tagen nach dem Kauf eine kostenlose Anfrage per Telefon stellen. Anschließend müssen sie ein Zwei-Jahres-Hotline-Paket kaufen. Das kostet 59 Euro.
Die Alternative: Microsofts Partner-Hotline
Microsoft-Kunden bleibt am Ende ein uneleganter Ausweg. Sie können sich an die Firma Twenty4help Knowledge Service GmbH wenden. Die ist ein Partner von Microsoft. Telefonische Anfragen zu Windows Vista oder Office 2007 kosten dort 1,86 Euro pro Minute (ab der zweiten Minute). Zwar ist auch das teuer. Aber wer sich kurz fasst, spart gegenüber der offiziellen Microsoft-Hotline immerhin etwas Geld.
Quelle: Die Welt - Germany

