Berlin (AP) Computer- und Videospiele werden immer beliebter: Lag der Umsatz beim Geschäft mit Konsolen und PC-Spielen in Deutschland im letzten Jahr noch bei 1,77 Milliarden Euro, so wird in diesem Jahr ein Rekordumsatz von 2,14 Milliarden Euro erwartet, wie der Bundesverband Informationswirtschaft Bitkom am Mittwoch in Berlin bekannt gab. Das entspricht einer Steigerung von 21 Prozent. Mittlerweile spielt über ein Drittel der Deutschen (35 Prozent) digitale Spiele, wie Bitkom-Präsidiumsmitglied Manfred Gerdes sagte. Beliebtestes Gerät dafür ist der PC (31 Prozent). Dahinter folgen Konsole (10 Prozent) und Handy (7 Prozent). Mittlerweile besitzen 81 Prozent der Haushalte Handys, 77 Prozent PCs und 30 Prozent Spielkonsolen. Grundlage für die Angaben ist eine vom Marktforschungsunternehmen Ipsos durchgeführte repräsentative Umfrage von 1.000 Deutschen ab 14 Jahren...An Bedeutung gewinne darüber hinaus das Spielen über das Internet, sagte Gerdes. Von dieser Möglichkeit mache bereits jeder dritte PC-Spieler Gebrauch. Es sei davon auszugehen, dass die Bedeutung von Online-Spielen per PC in den kommenden Jahren enorm zunehmen werde. Weltweit hätten sich die Umsätze 2006 auf 3,3 Milliarden Euro belaufen. In diesem Jahr werde der Umsatz voraussichtlich 4,2 Milliarden Euro betragen. Bis 2012 solle er jährlich um durchschnittlich 18 Prozent auf dann 9,6 Milliarden Euro wachsen.
Computerspiele insgesamt seien nicht mehr ein reines Jugendphänomen, betonte Gerdes. «Selbst 19 Prozent der über 50-Jährigen spielen heute.»
Karten- und Schachspiele besonders beliebt Besonders beliebt seien digitale Karten-, Schach- und Strategiespiele, sagte Gerdes. Aber auch die so genannten Multiplayer-Spiele, bei denen über das Internet verbundene Teilnehmer gegeneinander antreten, würden beliebter. Überraschend wenig Spieler (zwei Prozent) sind bei «Second Life» aktiv, bei dem eine virtuelle Identität angenommen wird. Dabei handele es sich weniger um ein Spiel, als viel mehr um eine virtuelle Umgebung, die sich erkunden ließe, begründete Gerdes. Die geringe Nutzung könnte ein Ausdruck des fehlenden Spiel-Erlebnisses sein.
Im Bereich der Spieleentwicklung hat Deutschland im internationalen Vergleich laut Bitkom erheblichen Nachholbedarf. Während es in den USA etwa 8.000 Software-Unternehmen gebe, die von der Spiele-Entwicklung lebten, seien es in Deutschland erst 200. «Wir müssen die Ausbildung von Spiele-Entwicklern hier zu Lande auf ein internationales Niveau bringen, durch moderne Ausbildungsstätten, anerkannte Abschlüsse und die Anbindung an Hochschulen», forderte Gerdes.
Trends sind nach Ansicht von Gerdes die Multiplayer-Spiele und die so genannten Handheld-Spiele, die auf Handy oder tragbaren Spielekonsolen genutzt werden. Des Weiteren sollen neue Zielgruppen erschlossen werden. «Das sind vor allem Ältere und natürlich weitere Frauen», sagte Gerdes. In der Vergangenheit hätten Figuren und Spielverlauf vieler Spiele vor allem junge Männer angesprochen. Mittlerweile habe die Industrie dieses Manko erkannt und entwickle Spiele, in denen Strategie und Emotionen im Vordergrund stehen. Diese seien bei Frauen und Älteren sehr beliebt.
Am (kommenden) Donnerstag wird in Leipzig die Computerspielemesse Games Convention (GC) für das Publikum eröffnet. Sie gilt als Europas führende Branchenmesse und neben der E3 in Los Angeles als wichtigste Veranstaltung der Branche weltweit. Die GC richtet sich sowohl an Fachleute wie auch an Konsumenten.

